Kosovo als Standort für Outsourcing

Quelle: Handelskammer Schweiz - Mitteleuropa

Die Auslagerung der Geschäftsprozesse – das sogenannte Business Process Outsourcing – ist eine Wachstumsbranche, wofür nun auch der Kosovo die Aufmerksamkeit ausländi scher Investoren vermehrt weckt.

Mit der weltweiten Finanzkrise ist bei Unternehmen in Westeuropa die Notwendigkeit zur Kostenoptimierung in den Vordergrund getreten. Ein erhöhter Wettbewerb hat die Unternehmen dazu geführt, komplette Geschäftsprozesse an unternehmensexterne Dienstleister abzugeben. Outsourcing geht meist über das Auslagern der IT hinaus – Aufgaben, die über das Kerngeschäft hinaus gehen, wie Personalbereich, Gehaltsabrechnung, die Zahlungssysteme sowie die Lagerhaltung gehören mittlerweile genauso dazu. Gleiches gilt für die Auslagerung komplexer Infrastruktur wie etwa des Netzwerks oder Helpdesks. Auch der Anteil der Unternehmen, die Softwareentwicklung und -tests an externe Dienstleister auslagern, steigt stetig. Vor allem die Transport-Sparte, IT-Unternehmen und Banken haben bislang vermehrt gelernt, die Outsourcing-Vorteile gut zu nutzen. Solche Unternehmen erhalten auf diese Weise Dienstleistungen, die optimal auf die eigenen Geschäftsziele ausgerichtet sind, und reduzieren darüber hinaus Kosten, weil externe Dienstleister die Leistungen günstiger und effizienter bereit stellen.

Das Wachstum dieses Sektors ist beträchtlich. Die globale Wertschöpfungskette für Outsourcing-Dienstleistungen ist nach Angaben der OECD zwischen 2005 und 2008 um 25 Prozent gewachsen und erreichte in 2010 einen Marktwert von ca. 300 Mrd. US$.

Die Republik Kosovo ist gut positioniert, um vom stetigen Wachstum dieser Sparte zu profitieren. Das Land verfügt über gut ausgebildete Arbeitskräfte, eine grosse Anzahl von Englisch- und Deutschsprechenden, niedrige Lohnkosten, nieniedrige Lohnkosten, niedrige Steuern (10 Prozent Körperschaftsteuer, 10 Prozent persönliche Einkommensteuersatz), den Euro als Währung, ein stabiles makroökonomisches Umfeld und freien Zugang zu den EU- und US-Märkten für Produkte und Dienstleistungen. Zudem liegt der Kosovo in der mitteleuropäischen Zeitzone, und hat eine sowohl geographische als auch kulturelle Nähe zu den EU-Märkten.

Die ersten kosovarischen Unternehmen, die Outsourcing-Dienstleistungen anbieten, wurden Anfang 2002 gegründet. Heute gibt es über 30 solche Unternehmen, wobei die überwältigende Mehrheit davon in den letzten drei Jahren gegründet wurde. In 2010 waren über 1000 Beschäftigte in diesem Bereich tätig – eine Anzahl, die erwartungsgemäss im Zeitraum 2011–2012 verdoppelt wird. Die meisten dieser Unternehmen sind im Raum Prishtina angesiedelt und bieten Dienstleistungen wie Softwareentwicklung, Telekommunikations-Dienstleistungen, Produkt-Support, Inbound- und Outbound-Dienstleistungen, Helpdesks und in letzter Zeit auch Gehaltsabrechnungen. Das grösste IT-Outsourcing Unternehmen im Kosovo ist 3CIS. Das Unternehmen wurde in 2009 gegründet und beschäftigt heute über 150 hochqualifizierte Arbeitskräfte. Zu den Kunden von 3CIS zählen AT&T Mobility, Sprint, Vodafone, British Telecom und Orange. Das Beispiel von RROTA, welche im Auftrag der österreichischen Firma Wertheim eine Software zur elektronischen Überwachung und biometrischen Steuerung von Schliessfächern entwickelt hat, ist das beste Zertifikat für die Fähigkeiten der jungen kosovarischen Programmierer.

Auch schweizerische Unternehmen gehören mittlerweile zu den Erfolgsgeschichten der Outsoursing-Sparte im Kosovo: die baruti GmbH ist ein Schweizer Unternehmen mit Sitz in St. Gallen und betreibt erfolgreich ein Contact Center in Prishtina. Das Geschäftsmodell basiert darauf, dass durch die Auslagerung in den Kosovo in erheblichem Masse Lohnkosten eingespart werden ohne zugleich auf Qualität verzichten zu müssen. Die MitarbeiterInnen sind aus Deutschland und der Schweiz zurück gewanderte Kosovo-Albaner, wodurch das Unternehmen den Vorteil hat Dienstleistungen in deutscher Schriftsprache sowie auf Schweizerdeutsch kostengünstig anzubieten.

Zu den Outsourcing-Dienstleistungen von baruti GmbH gehören Marktforschungs- und Inbound-Dienstleistungen. So werden telefonische Befragungen in Deutschland und in der Schweiz für deutsche und Schweizer Markt- und Meinungsforschungsinstitute durchgeführt. Das Telefonlabor, welches Deutsche und Schweizer Haushalte zu verschiedenen Themen im Namen der Partnerinstitute und Kunden befragt, operiert von Prishtina aus. Zu den von baruti GmbH angebotenen Inbound-Dienstleistungen gehören auch die Entgegennahme von Aufträgen (Auftragsmanagement) sowie die Beratung der Kunden (Beratungs- und Informationsmanagement) im Namen der deutschen/Schweizer Partnerunternehmen. Das Callcenter in Prishtina ermöglicht firmeneigenen Partnerunternehmen den Telefonservice zu verbessern und gleichzeitig Kosten einzusparen. Outbound-Dienstleistungen wie Verkauf, Telesales, Telemarketing, Leadgenerierung, etc. werden jedoch nicht angeboten.

Mit dem vorhandenem Know-how, den kostengünstigen Arbeitskräften und den anderen Wettbewerbsvorteilen, die das Land anbietet, einschliesslich der freundlichen Geschäfts- und Investitionsrahmenbedingungen, hat die Outsourcing-Sparte im Kosovo das Potenzial, auf den internationalen Märkten konkurrenzfähig zu werden.

Während andere Länder Ost- und Südosteuropas aufgrund von gestiegenen Personalkosten zunehmend an Attraktivität als Outsourcing-Standorte verlieren, erscheint der Kosovo mit Prishtina seiner jungen, dynamischen, mehrsprachigen und gut ausgebildeten Bevölkerung vermehrt auf den Radarschirmen potenzieller Investoren aus Westeuropa und den USA.

Quelle:
Handelskammer Schweiz - Mitteleuropa
SEC Info April 2012