Basel darf seine historische Chance nicht verkaufen

Quelle: Tagesanzeiger / Alexander Kühn

Gladbachs Sieg über die Bayern hat gezeigt, dass sich der FCB vor dem Champions-League-Duell mit den Münchnern nicht zu fürchten braucht. Aber nur, wenn er sein Team zusammenhält.

Lucien Favre schnappte Basel in seiner Zeit beim FCZ zweimal den Meistertitel vor der Nase weg. In der legendären Finalissima vom 13. Mai 2006 sogar auf besonders schmerzhafte Weise, als schon die vierte Minute der Nachspielzeit lief. Am Freitag erwies der Romand den Baslern aber einen grossen Dienst, indem er ihnen mit Borussia Mönchengladbach vor Augen führte, dass Bayern München in den Achtelfinals der Champions League beileibe kein übermächtiger Gegner ist.

Die Generation der leidenschaftlich Unerschrockenen

Die Bayern liessen bei der 1:3-Niederlage im Borussia Park erkennen, dass sie mit schnellem und respektlosem Spiel ihre liebe Mühe haben. Mit jener Art Fussball also, die auch der FCB aufziehen kann. Vor allem dank seines ebenso genialen wie respektlosen Kraftwürfels Xherdan Shaqiri. Der 20-jährige Shaqiri gehört wie sein Teamkollege Granit Xhaka (19) oder die beiden Gladbacher Patrick Herrmann (20) und Marco Reus (22) zur Generation der leidenschaftlich Unerschrockenen, die es nicht kümmert, ob ihr Gegenspieler ein Unbekannter oder ein Weltstar ist.

Ohne den Spielwitz und die gesunde Frechheit des Duos wäre der Schweizer FCB gegen den deutschen FCB krasser Aussenseiter. Deshalb darf Basel seine beiden Juwelen auf keinen Fall im Winter ziehen lassen. Auch dann nicht, wenn Galatasaray Istanbul sein Angebot für Shaqiri noch einmal in die Höhe schraubt und sich für Xhaka ein Interessent findet, bei dem das Geld lockerer sitzt als beim HSV, der wohl erst im Sommer zuschlagen möchte. Shaqiri und Xhaka zu verkaufen, hiesse auch eine historische Chance zu verschachern. Wer weiss, wann der FC Basel das nächste Mal ihn einem Achtelfinal der Champions League steht.

Wir sind kein Selbstbedienungsladen!

Bis jetzt widersteht FCB-Präsident Bernhard Heusler der Verlockung des schnellen Geldes vorbildlich. Es ist zu hoffen, dass er dieser Linie treu bleibt, bis sich das Transferfenster schliesst. In den grossen europäischen Ligen passiert dies am kommenden Dienstag, in der Türkei einen Tag später. Wenn der FCB stark bleibt, ist dies auch ein Signal für die Zukunft. Die Botschaft wäre die folgende: Wir sind ein finanziell kerngesunder Verein mit internationalen Ansprüchen, kein Selbstbedienungsladen. Ein überstürzter Abgang wie jener von Christian Giménez, der 2005 unmittelbar vor der Champions-League-Qualifikationspartie gegen Werder Bremen zu Olympique Marseille wechselte, scheint heute nicht mehr denkbar.

Basel befindet sich in diesem Winter auch in einer komplett anderen Situation als der ambitionslose FCZ, der gut daran tat, Admir Mehmedi und Ricardo Rodriguez abzugeben. Während der Marktwert der beiden Zürcher Nationalspieler wohl ausgereizt war, könnten die Aktien von Shaqiri und Xhaka noch einmal gehörig in die Höhe schnellen, wenn es den Baslern mit ihrer Hilfe gelingt, nach Manchester United auch den FC Bayern auf den Favoriten-Friedhof der Champions League zu verbannen. Der FCB hat beim Verhandeln noch lange keine Eile: Shaqiris Vertrag läuft bis Ende Juni 2014, Xhakas Kontrakt sogar noch ein Jahr länger.